Filme und Programm sind online
Knapp zwei Wochen vor Beginn de 3. Taxifilmfest steht das Programm.
Das Taxifilmfest wurde im Jahr 2023 aus der Not geboren und in kaum sechs Wochen auf die Beine gestellt. Diese spontane, chaotische und radikale Herangehensweise prägte die zweite und nun auch die dritte Ausgabe des Taxifilmfest.
Zu den Filmen
Trotz alledem : Taxikultur !
Wir freuen uns, dass die Taxikultur in schwierigen Zeit lebt und gedeiht. Davon zeugt das 3. Taxifilmfest 2026.
Seit der zweiten Ausgabe im kalten Februar des Jahres 2025 hat das Berliner Taxigewerbe derart brutale Schläge einstecken müssen, dass bis zuletzt unklar war, ob es eine dritte Ausgabe des Taxifilmfest geben würde.
Die Taxikultur zappelt, strampelt und lebt derweil weiter. Wir stellen junge Filmemacherinnen vor, die Taxikultur mit ihren Geschichten weiterschreiben. Ihre Mütter, Väter oder Großeltern haben mit ihren Taxis einen bescheidenen Wohlstand aufgebaut, und die Jungen sind dankbar dafür, dass sie ihre Kultur weitertragen können.
Beim 3. Taxifilmfest 2026 geht es um das Menschliche. Das ist ebenso politisch wie die Themen von 2024 und 2025 .
Die ganze Welt im Taxi
"Eine Taxifahrt im Herbst" und "Taxitales" zeigen, wie alle Dinge der Welt auf dem Fahrersitz und der Rückbank des Taxis stattfinden.
Taxi heute als Werkzeug neuen gesellschaftlichen Engagements zeigt "She drives the night" aus den Niederlanden. In "¡TAXI!" aus New York wird von der letztlich erfolgreich Hoffnung auf sozialen Aufstieg erzählt.
Im Spielfilm "Taxi Warren" aus der Elfenbeinküste erleben wir, wie Familie, Politik und Polizei aufeinandertreffen und den Kampf eines jungen Mannes um seine Zukunft bestimmen. Hier entwickelt sich Taxikultur als Teil des Aufstiegs einer Gesellschaft, die sich nach über einhundert Jahren kolonialer Ausbeutung und darauf folgenden Bürgerkriegen formiert. Der Blick über den europäischen Tellerrand macht Mut und Lust auf Neues.
Hintergrund Berliner Taxigewerbe
Die Meherheit der ehrlichen Taxibetriebe Berlins hat mittlerweile dichtgemacht, wurden verkauft oder sind pleite. Nur noch einige allein fahrende Taxiunternehmerinnen und -unternehmer führen die Tradition und die berühmte Qualität der Berliner Taxis fort. Sie müssen sich mit Hungerlöhnen und Umsätzen zufrieden geben, die es unmöglich machen, zumindest den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn zu zahlen.
Drei Ursachen haben zu dieser Katastrophe geführt.
- Die Aufsichtsbehörde LABO hintertreibt seit Jahrzehnten die Überwachung und Regulierung des Taxi- und Mietwagengewerbes. Ohne ihr Versagen hätte keine der anderen Ursachen für den Tod des Berliner Taxis eintreten können.
- Eine immer größere Zahl von fragwürdigen Taxiunternehmen bringt seit bald 30 Jahren so viele Wagen auf die Straße, dass bereits bei Inkrafttreten des Mindestlohngesetz im August 2014 nur noch in Ausnahmefällen der für die Zahlung des Mindestlohns erforderliche Umsatz eingefahren wurde. Nicht einmal der Mindest-Hungerlohn ist seitdem mehr drin. Viele Taxibetriebe haben sich eine zeitlang über die Runden gerettet, indem sie ihren Fahrern illegal niedrige Löhne aufdrängten und die auf den Lohnzetteln notierten Arbeitszeiten systematisch fälschten.
Die Fahrerinnen und Fahrer konnten diese Entwicklung nicht aufhalten, weil sie sich nicht gewerkschaftlich organisierten.
- Dann kam die Abschaffung der Ortskundeprüfung für alle Mietwagen- und Taxifahrer. Damit konnten Plattformkonzerne die "Uberisierung" des Geschäfts vorantreiben, und eine riesige Zahl Armer ohne berufliche Qualifikation ans Steuer ihrer Fahrzeuge setzen. Die arbeiten für noch weiger Geld und werden von kriminellen Chefs dazu angeleitet, mit nach unten manipulierten Lohn- und Arbeitszeitabrechnungen "Stütze" vom Jobcenter zu kassieren.
Damit enden sie unter der Kontrolle organisierter Banden, so genannter Rackets, und werden auf Dauer von Gewerkschaften und gesellschaftlicher Integration ferngehalten.
Lohn- und Preisdumping der uberisierten Mietwagen hat dem Berliner Taxi den Garaus gemacht. Heute befinden sich viele Taxibetriebe in den Händen der gleichen Art Gauner, mit deren Unterstützung Uber in Berlin groß geworden ist.
Im Berliner Taxigewerbe hatte sich seit 1961 eine eigene, sich über die Jahre wandelnde, anspruchsvolle Kultur des Miteinander und des Umgangs mit den unterschiedlichsten Kundinnnen und Kunden entwickelt. Grundlage war der Taxifahrer, der sein Berlin besser kannte als jede Internetplattform heute, der auf Du und Du mit Politik, Wirtschaft und Kultur war. So oder ähnlich entwickelt sich Taxikultur in der ganzen Welt, so lange ein "Kutscher" seine Familie ernähren kann.
Der Einbruch von Uber in Indien ruinierte das indische Taxigewerbe genauso, wie es gleichzeitig in Berlin geschah. Ursache und Drehbuch sind immer und überall die gleichen. Uber, Nestlé und ähnliche internationale Konzerne verwandeln dort erfolgreich Märkte in ausbeuterische Monopole, wo gesellschaftliche Strukturen versagen. Ein neoliberaler Modi und ein neoliberaler Merz betreiben jeder in seinem Land den Erfolg der Megakonzerne und das Verarmen der Mittelschicht.